Foto Studium
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Courtesy visit im Landwirtschaftsministerium, Entebbe

© SLE

Matoke, Moskitos und Ministerienbesuche

Bericht Ruganda Rules - Erste Einblicke aus dem AP Uganda/Rwanda:

Am 31.07. in der Frühe war es endlich soweit: Wir nahmen zusammen den Flug nach Entebbe, Uganda, wo wir die nächsten Wochen verbringen würden. Entebbe ist ca. 70000 Einwohner groß und liegt auf einer Landzunge am Viktoriasee, einem der größten Süßwasserseen der Erde. Bei unserer nächtlichen Ankunft fiel uns gleich auf, dass die Temperaturen trotz direkter Nähe zum Äquator nicht höher als bei Abreise in Deutschland waren. Grund dafür ist wohl die Höhenlage von 1100 m, weshalb uns wohl auch die Moskitos weniger plagen als befürchtet.

Gleich am zweiten Tag ließen wir das schöne Entebbe hinter uns, um die 35 km nördlich gelegene Hauptstadt Kampala zu besuchen. Nachdem uns unser Fahrer auf dem Weg zur GIZ Zentrale gekonnt durch den verrückten Linksverkehr, die tausenden BoraBoras (Motorräder) und die Abgase manövriert hatte, waren wir uns schnell einig, dass wir mit unserer Wahl Entebbes als Standort für unsere Forschung recht zufrieden sind. Der Besuch bei der GIZ sollte der erste von einer Vielzahl von sogenannten „Courtesy Visits“ werden, die wir in den kommenden Tagen in verschiedensten Abteilungen der Ministerien und bei Projektpartnern unternahmen.

Dies alles wäre nicht möglich ohne Zachary Kansiime, unserem lokalen GIZ Partner, der uns bei Rat und Tat zur Seite steht, obwohl alle zehn Minuten sein Handy wegen eines wichtigen Anrufes klingelt. Neben dem Bildungsministerium besuchten wir in den ersten Tagen auch das Landwirtschaftsministerium. Da dieses in Entebbe niedergelassen ist, beschlossen wir morgens die 20 Minuten dorthin zu Fuß zu gehen. Als Zachary dies erfuhr, sah er uns fassungslos an und verstand erst nach dreifacher Bestätigung, dass wir keinen Witz machten. Zachary legte uns nahe, in Zukunft auch bei kürzeren Strecken ein Taxi zu nehmen und wollte auch von Klimawandel und Gesundheit nichts hören. Hier wird sehr viel Wert auf Förmlichkeit gelegt. So wurde auch unser Teamleiter Klaus von Zachary mit Blicken getadelt, als er barfuß durch die Pension lief.

Ein Lieblingshobby von Zach ist Essen. In dieser Hinsicht können wir uns hier nicht beschweren, bei fast jedem Treffen – egal ob Ministerium oder kleiner Farm, wurden wir gut verköstigt. Meistens gibt es Stärkegerichte in verschiedenster Form und Farbe: Süßkartoffeln, „normale“ irische Kartoffeln sowie der Must-Eat „Matoke“, sprich Kochbananenbrei. Oft gibt es außerdem noch Bohnen, Reis, Erdnusssoße und Fleisch. In Nähe des Viktoriasees gibt es außerdem Fisch und zwar Tilapia oder auch Nilbarsch, der bis zu zwei Meter lang wird und eigentlich gar nicht hier heimisch ist. Als er in den Sechziger Jahren im Viktoriasee ausgesetzt wurde, löste dies eine ökologische Katastrophe aus, da er viele andere  Fischarten jagte und diese verschwanden. Für die Fischer war es jedoch wiederum ein Segen, da sich Nilbarsch gut verarbeiten und verkaufen ließ und für viele so ein Einkommen sicherte.

Da hier um 7 Uhr abends die Nacht einbricht, beginnen wir unsere Tage früh. Es gibt viel zu tun: Treffen und Interviews vor- und nachbereiten, Fahrten organisieren, Literatur verwalten, Matrizen entwickeln, Fragebögen konzipieren und Protokolle verfassen. Nach einer Woche mit viel Händeschütteln tauschten wir unsere Blazer durch Treckingschuhe und machten uns auf ins „Feld“, wo wir uns in die Experten- und Fokusgruppeninterviews stürzten. Zuerst waren wir auf einer Aquafarm, die sich auf Fischzucht spezialisiert hatte. Nelson, einer der Trainees, erklärte uns, dass ein Fischweibchen bis zu 50000 Eier produziert und zeigte uns Fingerlinge (junge Fische) in verschiedenen Altersstufen.

Es folgten mehrere Experteninterviews mit kleinen und mittleren Unternehmen, die sich mit Fischzucht und -verarbeitung sowie Milchproduktion befassen. Für eines dieser Interviews fuhren wir zum Agricultural Training Center (ATC) in Bukalasa, das nördlich von Kampala liegt. Die Gegend ist bekannt für Milchproduktion – schon auf dem Hinweg sahen wir viele Ziegen, Schafe und Kühe mit auffällig langen Hörnern am Wegrand. Das Unternehmen, das mit dem ATC kooperiert, hat ganze 40 Praktikant*innen aufgenommen, für die erst in diesem Jahr eine eigene Essenshalle errichtet wurde. Neben der Milchproduktion werden hier auch Mangos und Ananas angebaut, die uns als Geschenk überreicht wurden und die wir über die holprigen Straßen mit nach Hause nahmen.

Mittlerweile wird das Zurückkehren in unsere Pension, das Frühstück mit den Geckos und die Sonnenuntergänge vor den Palmensilhouetten schon Routine. Das Personal in der Pension ist sehr freundlich, schaut abends Bollywood Serien und veranstaltet immer sonntags in dem Raum, den wir zum Arbeiten nutzen, eine Zeremonie, bei der über Stunden in pfingstkirchlicher Manier gesungen wird. Religion spielt in Uganda eine wichtige Rolle. Das fiel uns schon im Flugzeug auf, in dem auch eine Nonne saß, sowie im Ministerium, wo unser Besuch mit einem Segensspruch eröffnet wurde.

An den wenigen freien Tagen erkundeten wir das unmittelbare Umfeld Entebbes wie beispielsweise den Strand neben dem Flughafen, wo man auf ausgedienten Flugzeugen herumklettern kann. Hier fand 1976 die „Operation Entebbe“ statt, bei der das israelische Militär 200 über mehrere Tage im Flugzeugterminal festgehaltenen Geiseln befreite. Der damalige Präsident und Diktator Idi Amin kooperierte mit den Geiselnehmer*innen, die sich aus Mitgliedern der Palästinensischen Befreiungsfront zusammensetzten. Heute sind auf dem Gelände Pappma-chéskulpturen verschiedenster Regierungsvertreter aus unterschiedlichen Ländern platziert, darunter Barak Obama, einige ugandische Offiziere und auch Gandhi. Der Besitzer erzählte uns, dass er diese aufgestellt hatte, „damit sich jeder Gast willkommen fühlt“.

Auf einer weiteren Tour in die Gegend begaben wir uns auf die Spuren des Shoebills, eines fast ausgestorbenen Vogels, der 35 Jahre alt wird und alle fünf Jahre nur zwei Eier legt. Hierfür fuhren wir mit dem Boot auf dem Viktoriasee in eine von Gräsern und Sumpf eingefassten Bucht, wo wir nach zwei Stunden endlich einen der großen grauen Vögel mit den breiten Schnäbeln erblickten.

Am Wochenende brechen wir auf nach Jinja, welches an der Mündung des weißen Nils liegt. Wir sind gespannt auf weitere Abenteuer!

Eva-Maria Graf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Besuch auf einer Aquafarm                              © SLE

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 Bukalasa Agricultural College                         © SLE 

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 Kühe in Bukalasa                                           © SLE

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Erinnerungen an "Operation Entebbe"            © SLE

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Seltener Shoebill, Viktoriasee                          © SLE

     

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