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Konzept zur Inklusion von Menschen mit Behinderung am SLE

Das SLE hat 2015 erste Erfahrungen in Projekten zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen gemacht und einen Beitrag zur Umsetzung des BMZ-Aktionsplans zur Inklusion geleistet. Anschließend beauftragte das SLE im Juli 2016 eine externe Bewertung (Assessment) zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der eigenen Institution. In diesem Assessment wurden Empfehlungen für das vorliegende SLE-Konzept zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung gestellt.
Dabei wurde auch deutlich, dass Inklusion am SLE ein Prozess ist und aufgrund vieler Faktoren auch Grenzen hat.

Grundlagen

Grundlage sind vor allem zwei Artikel der UN Behindertenrechtskonvention (UNBRK) von 2008, die 2009 von Deutschland ratifiziert wurden:
Der Artikel 24 erkennt das Recht auf Bildung von Menschen mit Behinderungen an: „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. [...] Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen haben. Zu diesem Zweck stellen die Vertragsstaaten sicher, dass für Menschen mit Behinderungen angemessene Vorkehrungen getroffen werden.“
Artikel 32 der UNBRK betont die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der internationalen Zusammenarbeit: Es „... soll sichergestellt werden, dass die internationale Zusammenarbeit, darunter Entwicklungsprogramme, Menschen mit Behinderungen einbezieht und für sie zugänglich ist“ und „... die Forschungszusammenarbeit und der Zugang zu wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen soll nach (...) der Konvention erleichtert werden“.
Artikel 1 Satz 2 definiert die Zielgruppe als „Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“
Weitere bindende Grundlagen sind die Empfehlungen der Hochschulrektoren-konferenz (HRK2012, „Eine Hochschule für Alle“) und der BMZ-Aktionsplan zur Inklusion (2013 - 2015).
Dem Assessment folgend werden vier Dimensionen von Barrieren unterschieden, die der Inklusion von Menschen mit Behinderungen entgegenstehen und für die dieses Konzept Ansätze zur Inklusion formuliert:
  • Einstellungsbarrieren: Diese können sich z.B. in einer negativen, diskriminierenden, ängstlich/ahnungslosen und oft stereotypisierenden Haltung und Sprache gegenüber Menschen mit Behinderungen äußern.
    • Hierzu werden alle Arbeitsbereiche des SLE aktiv werden
  • Umweltbarrieren: Das sind vor allem physische bzw. bauliche Barrieren für Menschen mit Behinderungen im alltäglichen Leben.
    • Bauliche Veränderungen müssen über die HU beantragt werden, die Voraussetzungen für kleinere Veränderungen in der Regie des SLE werden geprüft und umgesetzt.
  • Institutionelle Barrieren: Diese beschreiben fehlende politisch-institutionelle Rahmenbedingungen, die Menschen mit Behinderungen von einer Teilhabe in der Gesellschaft ausschließen.
    • Hierzu arbeitet das SLE aktiv mit der HU zusammen.
  • Barriere - Außendarstellung: In den meisten Fällen geht es hierbei um die Barrieren auf der Internetseite, Werbematerialien und/oder Veranstaltungen.
    • In seiner Außendarstellung wird das SLE zunehmend inklusiv.

Gesamtziel Inklusion:

Das SLE setzt sich ein für Chancengleichheit und Vielfalt und möchte Menschen mit den passenden Qualifikationen und Motivationen, jeder ethnischen Zugehörigkeit, jeden Geschlechts, jeder Religionsangehörigkeit oder Weltanschauung, Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, Menschen mit Fluchthintergrund und jeder sexuellen Identität motivieren sich zu bewerben. In diesem Sinn verbindet sich das Konzept zur „Inklusion von Menschen mit Behinderungen“ mit dem Konzept zur „Inklusion Geflüchteter aus Krisengebieten am SLE“Geflüchteter aus Krisengebieten am SLE“. Beide werden in einem gemeinsamen, aber thematisch differenzierten Prozess des Mainstreaming umgesetzt.
Die Umsetzung erfolgt übergreifend und in den vier Arbeitsfeldern des SLE:

1. Allgemeines

Das SLE gibt sich für die kommenden drei Jahre einen Aktionsplan zur Inklusion allgemein und mit besonderem Fokus auf Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten. Es setzt den Plan um,überprüft die Umsetzung und macht Ergebnisse aber auch Herausforderungen öffentlich.
Inklusion von Menschen mit Behinderungen wird als Thema in SLE Studium und SLE Training für internationale Fachkräfte ebenso wie in SLE Forschung und SLE Beratung aufgegriffen werden. Institutionelle und Umweltbarrieren werden Arbeitsfelder übergreifend bearbeitet.

Personal (alle Barrieren)

1. Stellenausschreibungen werden inklusiv gestaltet– bei gleichen Qualifikationen wird Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten der Vorzug gegeben, wenn es dem SLE gelingt, die möglicherweise zusätzlich notwendigen Facilities je nach den spezifischen Bedarfen zur Verfügung zu stellen.
2. Ansprechbar zum Thema Inklusion allgemein und im spezifischen Sinn der Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist die Direktion des SLE. Für diese Aufgaben macht sie Wissen, Vernetzung und wo möglich Ressourcen des SLE verfügbar.

Internetauftritt und Materialien der Öffentlichkeitsarbeit (Barriere Außendarstellung)

1. Die Position des SLE mit Bezug zur Thematik wird auf der Internetseite und in anderen Materialien der Öffentlichkeitsarbeit sichtbar gemacht.
2. Die tatsächliche Barrierefreiheit des SLE an beiden Standorten wird auf der Internetseite kommuniziert (Transparenz) und die Leitung des SLE als Kontaktperson für Menschen mit Behinderungen benannt.
3. Es werden Maßnahmen eingeleitet, die Internetseite des SLE für Blinde und Sehbehinderte barrierefrei zu gestalten. Für zukünftige Publikationen werden die Vorgaben zur Barrierefreiheit verbindlich. Für vorliegende Publikationen wird der Aufwand bei Bedarf geprüft.

Bauliche Maßnahmen (Umweltbarrieren)

Barrierefreiheit in der denkmalgeschützten Emil Fischer-Villa (EFV) in der Hessischen Straße 1-2, 10115 Berlin ist kaum realistisch. Größeres Potenzial und „low hanging fruits“ bietet der Standort Robert Koch Platz (RKP) 4, 10115 Berlin. Umweltbarrieren können nur in geringem Maß durch das SLE alleine verändert werden. Grundsätzlich gilt: diese Anpassungen werden vorbereitet, sie werden aber erst vorgenommen in Reaktion auf einen konkreten Bedarf eines/r TeilnehmerIn oder eines/r MitarbeiterIn. Die tatsächliche Umsetzung ist im konkreten Fall abhängig von der Verfügbarkeit spezifischer Mittel.
1. Kleinere Maßnahmen, die mit anderen Mietern (rollstuhlgerechte Toilette in anderem Stockwerk) oder dem Immobilieneigner (selbst öffnende Türen des Gebäudes) des Standortes RKP kostenneutral eingeleitet werden können, werden umgesetzt, bzw. verhandelt.
2. Die Umsetzung kleinerer Maßnahmen in der Regie des SLE, wie die Erreichbarkeit von Geschirr in den Küchen, die Kontraste in den Fluren und ggf. auch die angepasste Beschilderung werden eingeleitet.
3. Größere Baumaßnahmen, um den Standort barrierefrei zu gestalten, müssen bei der HU beantragt werden.

Unterrichtsmaterialien, Hilfsmittel und Ausstattung (institutionelle und Umweltbarrieren)

1. Die meisten Hilfsmittel werden erst beantragt, wenn ein/e MitarbeiterIn oder TeilnehmerIn mit Behinderung oder chronischer Krankheit ihren Bedarf für sich festlegt. Behinderungen sind vielfältig und machen unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen und Hilfsmittel nötig, die innerhalb einer kleinen Organisation wie dem SLE nicht vorgehalten werden können. Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten kennen ihre spezifischen Bedarfe am besten selbst. Für die Beschaffung von Hilfsmitteln wird auf die Strukturen der HU und auf Integrationsleistungen der Agentur für Arbeit zurückgegriffen.
2. Mit dem Ausstatter der Räumlichkeiten im RKP wird verhandelt, ob ein Arbeitsplatz rollstuhlgerecht hergestellt werden kann. Da der RKP rollstuhlbreite Türen und keine Schwellen aufweist, erscheint ein solcher Arbeitsplatz realistisch.
Die Umsetzung des Konzepts erfolgt darüber hinaus in den Arbeitsbereichen des SLE mit besonderem Fokus auf Einstellungsbarrieren und Barrieren in der Außendarstellung:

2. SLE Studium

Das SLE Studium wird zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen als TeilnehmerInnen, als DozentInnen und als Thema fachlicher Diskussion und Lehre folgende Schritte unternehmen:
1. Die Ausschreibungen für den nächsten Jahrgang nehmen ab 2017 das Thema Inklusion von Menschen mit Behinderungen stärker in den Blick:
        a. Als Selbstverpflichtung des SLE
        b. Als Inhalte des Studiums (siehe schon 2015)
        c. Als Kriterium in der Personalauswahl (TrainerInnen und DozentInnen)
        d. Als Kriterium in der Auswahl der TeilnehmerInnen
Bei Ausschreibungen werden die Auswahlkriterien, die Zugangsbedingungen und das Verfahren selbst auf den Prüfstand gestellt. Menschen mit Behinderungen werden ermutigt sich am SLE als TeilnehmerInnen zu bewerben, bei gleicher Qualifikation werden sie bevorzugt im Auswahlverfahren behandelt. Hierfür werden Ausschreibungen in entsprechenden Verteilern kommuniziert.
2. Im Fall der tatsächlichen Teilnahme eines Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten werden bedarfsgerecht und soweit realisierbar entsprechende Maßnahmen getroffen, die eine gleichberechtigte Beteiligung ermöglichen. Wie diese aussehen, muss im konkreten Fall und mit Bezug auf den spezifischen Bedarf durch die Behinderung / chronische Krankheit auch bezogen auf die einzelnen Module (insbesondere AP) entschieden werden.
3. Für und mit DozentInnen, TrainerInnen und TeamleiterInnen werden spezifische Sensibilisierungsmaßnahmen geplant, um Inklusion in den Modulen und Trainings im Sinne des Mainstreaming zu bearbeiten (siehe 3.).
4. Diskutiert wird auch eine zusätzliche Lerneinheit und/oder Modul zum Thema, ggf. in Kooperation mit den dafür spezialisierten Organisationen an der Schnittstelle von EZ und Inklusion.
5. Inklusion von Menschen mit Behinderungen wird als Querschnittsthema in Module eingebracht ebenso wie in die AEU zur Vorbereitung der Auslandsprojekte (AP) und in die entwicklungspolitischen Diskussionstage (EPDT), die jährlich in Regie der TeilnehmerInnen in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung stattfinden. Insbesondere für die AP wird die Kommunikation mit Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen vor Ort geprüft.

3. SLE Training

Das SLE ist grundsätzlich offen, internationale Fachkräfte mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten zu den angebotenen Trainings am SLE willkommen zu heißen und hierfür die Einstellungsbarrieren zu minimieren. Hinsichtlich der institutionellen und Umweltbarrieren bestehen für das SLE Training nur eingeschränkte Möglichkeiten. Das Regelwerk der HU und die entsprechende Unterstützungen sind nur für immatrikulierte Studierende konzipiert. Aufgrund der kurzen Dauer der Trainings ist der Spielraum eingeschränkt. Das SLE bemüht sich, im Einzelfall gangbare Lösungen zu finden.
Aktuell orientiert sich SLE Training neu, da die DAAD-Förderung ausläuft. Dies begreifen wir als Chance, u.a. auch um das Thema Inklusion bereits bei der Konzipierung eines neuen Ansatzes mitzudenken.
1. Die TrainerInnen von SLE Training sind einbezogen in die Sensibilisierungsmaßnahmen des SLE zur Thematik Inklusion (siehe 2.), um das Thema Inklusion von Menschen mit Behinderungen für die Trainings internationaler Fachkräfte zu erschließen.
2. In den Modulen der angebotenen Trainings wird die Thematik Inklusion im Sinne des o.g. Ziels aufgegriffen. Wo inhaltlich anschlussfähig, kann der Fokus spezifisch auf die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten gesetzt werden.
3. Diskutiert wird auch die Konzeption spezifischer Trainingsangebote zur Thematik der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, ggf. in Kooperation mit den dafür spezialisierten Organisationen an der Schnittstelle von EZ und Inklusion.
4. Für die entwicklungspolitischen Werkstattgespräche, die der Förderverein des SLE organisiert, wird die Thematik der Inklusion im Sinne des o.g. Ziels und mit spezifischem Fokus auf Menschen mit Behinderungen empfohlen.
5. Im Rahmen des GAMP Programms, dessen Berlin-Modul das SLE für die GIZ aktuell umsetzt, wird die Thematik der Inklusion aufgegriffen, ggf. kann dafür auch Kontakt mit entsprechenden Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen in Berlin gesucht werden.

4. SLE Forschung

1. Bei laufenden Forschungsvorhaben werden Fragen der Inklusion von Menschen mit Behinderungen und wo möglich der Kontakt mit Selbstvertretungsorganisationen eingebracht.
2. Bei der Neubeantragung von Forschungsmitteln wird Inklusion mitgedacht, auch in Ausschreibungen, wo dies nicht vorgesehen war aber sinnvoll erscheint.
3. DieSuche nach ForscherInnen erfolgt inklusiv und Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten mit entsprechender Qualifikation und Motivation werden zur Bewerbung ermutigt und bei gleicher Qualifikation bevorzugt.
4. Es wird versucht, auch in Zukunft SLE-Auslandsprojekte zu akquirieren, in denen die Inklusion im breiteren Sinne des Gesamtziels und im spezifischen Sinne von Menschen mit Behinderungen zentrales Thema ist. In allen anderen SLE-Auslandsprojekten wird das Mainstreaming der Thematik angestrebt (siehe 2.).

5. SLE Beratung

Inklusion von Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten wird als zusätzliche Expertise mit den bekannten Expertisen des SLE verknüpft. Damit kann dieser Fokus in Verknüpfung mit den Kernthemen des SLE in Beratungen angeboten werden.
1. In den laufenden Beratungen, insbesondere zur Hochschul- und Curricula-beratung werden die Chancen und Herausforderungen, die Inklusion mit sich bringt, thematisiert und bearbeitet.
2. Mit wachsender Erfahrung in der Thematik in Verknüpfung mit der Entwicklung des ländlichen Raums wird das SLE auch versuchen, Inklusion pro-aktiv in neue Beratungsaufträge zu integrieren, bzw. entsprechende Nachfrage danach zu generieren.
Das SLE wird intern sowie dem BMZ und bei Interesse auch den entsprechenden Strukturen der HU zum Fortschritt der Umsetzung berichten und diesen auch auf der Internetseite zugänglich machen.

 

 

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