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Konzept zur Inklusion Geflüchteter aus Krisengebieten am SLE

I Allgemeines

Verantwortlich: Dr. Susanne Neubert

Das SLE möchte einen sinnvollen Beitrag zur Integration Geflüchteter aus Krisengebieten leisten und diesen institutionalisieren sowie mit ebensolchen Aktivitäten des Thaer-Instituts der Lebenswissenschaftlichen Fakultät (LeWi) der HU verknüpfen. Mit den nachfolgenden vorgeschlagenen Aktivitäten verfolgen wir das Ziel, Geflüchtete mit akademischer Anschlussfähigkeit in das SLE einzubeziehen. Damit wollen wir eine win-win-Situation erzeugen, indem wir einerseits Geflüchtete spürbar unterstützen und willkommen heißen und andererseits gleichermaßen den Erfahrungshintergrund und das akademische Potenzial Geflüchteter für die Bildungsarbeit im SLE nutzen.1

Akquise von Fördermitteln:

Es wird versucht, Fördermittel zu akquirieren oder Möglichkeiten zu identifizieren, um eine geeignete Person aus dem Kreis der Geflüchteten anzustellen, der/die im Rahmen geeigneter Formate (soziales Jahr, Praktikum, HiWi) die Integration Geflüchteter im SLE vorantreibt und gleichzeitig die Arbeit des SLE kennenlernt und unterstützt.

Verknüpfung mit dem Welcome-Programm- der HU bzw. der studentischen Initiative:

Wir ermuntern SLE-Teilnehmer/innen sich an den Programmen, inkl. Tutorien, Buddy-Programm, Sprachinitiative der Studentischen Initiative der Humboldt-Universität zu beteiligen.
Kontakt: Kim Naser <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;, Avija Mitelman <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;.
Zeitbudgets, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hierfür begrenzt – und wenn dies unter Berücksichtigung des laufenden Programms passend ist – aufgewendet werden können, sind im Einzelfall mit Anja Kühn, dem/der jeweiligen Kurstrainer/in bzw. Christian Berg (AEU) oder der jeweiligen Teamleitung abzusprechen.

Private Initiative über das SLE hinaus

Als SLE erscheint es uns sinnvoll, die nachfolgenden Optionen entlang der Arbeitsfelder des SLE (Studium, Training, Forschung, Beratung) zu planen. Darüber hinaus wird es natürlich begrüßt, wenn mit Hilfe anderer Initiativen (Kochabende, Filmabende, Infoabende, Sprachcafé der LeWi), Geflüchtete in ihrem Alltag unterstützt werden, auch ohne direkten Bezug zur Arbeit des SLE. Solche Aktivitäten sind privater Natur und werden als Ideensammlung, die die Postgraduierten des SLE unter sich zunächst dokumentiert haben, im Anhang aufgeführt.

SLE rückt Fluchtursachenbekämpfung mehr in den Fokus

Es besteht ein Konsens zwischen den SLE Mitarbeiter/innen darüber, dass Kontakte auf politischer Ebene der Entwicklungspolitik und anderer Politikfelder dafür genutzt werden, passgenau auf die Notwendigkeit der Fluchtursachenbekämpfung aufmerksam zu machen. Dabei wird vor allem die Expertise des SLE u.a. im Bereich der ländlichen Entwicklung, der Bekämpfung von Hunger und Armut und das Fachwissen im Bereich landwirtschaftlicher Systeme genutzt. Mitarbeiter/innen des SLE verleihen durch ihre Beiträge auf Konferenzen, im Bereich der politischen Beratung, aber auch auf öffentlichen Veranstaltungen dem Thema der Fluchtursachenbekämpfung Gewicht. Sie machen darüber hinaus - wo passend - auf die Situation der in Krisenregionen lebenden Menschen aufmerksam und setzen sich dabei für Lösungen ein.2 Eine Verknüpfung mit interessierten Studierenden der Lebenswissenschaftlichen Fakultät (LeWi) ist willkommen.

1. SLE Studium:

1.1. Das bestehende Gasthörer/innen-Programm wird für Geflüchtete geöffnet, wobei je Kurs 1-2 Geflüchtete kostenlos teilnehmen können. Voraussetzung sind allerdings gute Deutschkenntnisse und eine gewisse Anschlussfähigkeit hinsichtlich Ausbildung oder potenzieller Nutzung mit den Inhalten der jeweiligen Kurse.
1.2. Geflüchtete können sich als reguläre TN am gesamten SLE Studienprogramm bewerben. Bei gleicher Qualifikation werden Geflüchtete bevorzugt behandelt.
1.3. Die Trainerinnen und Trainer in den einzelnen Kursen integrieren das Thema Geflüchtete/Fluchtursachen/Integration systematisch in ihr Kursangebot, d.h. sie unternehmen ein Mainstreaming der Thematik in ihre Kurse. Auch am Trainertag wird das Thema auf der Agenda stehen und gemeinsam diskutiert.
1.4. Es wird darüber nachgedacht, einen Kurs anzubieten, der sich mit entwicklungspolitisch orientierter Arbeit innerhalb Deutschlands befasst. In diesem Kontext wird auch überlegt, einen eigenen Kurs zum Thema Migration und Geflüchtete in das Programm zu integrieren (Lehrprogrammplanung 2018 erfolgt im September 2017).
1.5. Im Rahmen der Entwicklungspolitischen Diskussionstage (EPDT) wurde und wird das Thema Flucht und Migration aufgegriffen und bearbeitet (bereits 2015 und 2016 geschehen). Weitere mögliche Formate sind die entwicklungspolitischen Werkstattgespräche, die vom Förderverein des SLE organisiert werden. In diesem Zusammenhang wird Geflüchteten - wo passend - auch eine Plattform geboten, ihre Bedürfnisse zu äußern, zu konkretisieren und an die für sie verantwortlichen Personen zu richten. Das SLE versucht auf diese Weise, den Bedürfnissen von Flüchtlingen und deren Lebensbedingungen mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Hiermit und mit weiteren Formaten (u.U. Lange Nacht der Wissenschaften) trägt das SLE zum Dialog zwischen Politik und Geflüchteten und zum besseren Verständnis der komplexen Thematik und Hintergründe bei.
1.6. Das SLE berücksichtigt in seinen Sicherheitstrainings das Thema Terrorismus und versucht, seine Teilnehmer/innen auf die gewachsenen Anschlagsrisiken im globalen Süden und Norden vorzubereiten sowie sinnvolle Verhaltensregeln zu trainieren.

2. SLE Training

2.1. Bestehende Trainingsangebote sind für Geflüchtete geöffnet. Hierfür können sich Geflüchtete ganz normal bewerben. Darüber hinaus wird ein kostenloser Platz pro Trainingskurs eigens für Geflüchtete bereitgestellt.
2.2. Es wird in Erwägung gezogen, eigene Kurse für Geflüchtete anzubieten, die z.B. Ressourcenmanagement oder Übergangshilfe etc. zum Thema haben. Dies ermöglicht es Geflüchteten z.B., die erlernten Kenntnisse nach einer möglichen Rückkehr in ihre Heimatländer vor Ort einzubringen. Hierfür muss in geeigneter Weise der Bedarf erhoben werden.
2.3. Zudem werden die jeweiligen Trainer/innen dazu aufgefordert, das Thema Geflüchtete bzw. Krisenbedingungen etc. als Mainstream in die Kurse zu integrieren. Dabei ist auch daran zu denken, Geflüchtete, sei es als Expert/innen (die u.U. auch als Trainer/innen arbeiten könnten) oder als Lehrende, einzubeziehen. Im Einzelfall können hierfür - wie für andere externe Referent/innen - Honorare beantragt werden.
2.4. Das SLE denkt darüber nach, im Rahmen von SLE-Training neue Kurse zu konzipieren, die speziell für Geflüchtete von Interesse sein könnten. Hierfür müssten Finanzierungsanträge gestellt werden, um die Kurse gezielt auf die Bedarfe von Geflüchteten zuzuschneiden, z.B. hinsichtlich der Kurssprachen und einer arbeitsmarktnahen Ausrichtung. Wichtig wäre zudem, die Kurse für die Geflüchteten kostenfrei anzubieten. Dies bedeutet, dass andere Geldgeber für die Durchführung gefunden werden müssten.
2.5. Seit 2015 ist das sogenannte „Berlin-Modul“ von arabisch-deutschen Studiengängen (GAMP) an das SLE angeschlossen. Mit Herrn Prof. Matthias Weiter, der Supervisor und Entwickler dieses Moduls ist, organisieren wir einmal jährlich für etwa 90 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer (zumeist aus arabischen Ländern) ihren Besuch in Berlin, bei dem das Funktionieren politischer Veränderungsprozesse in einer Demokratie am Beispiel Deutschlands veranschaulicht wird. Bestandteile sind u.a. Exkursionen zu Standorten mit Zukunftsinnovationen innerhalb Berlins und Gespräche mit Parlamentarier/innen.
Im Rahmen des Formats GAMP-Berlin-Modul wird seit 2015 Flucht und Vertreibung eigenständig thematisiert. Es wurden jeweils Arbeitsgruppen zum Thema eingerichtet, die sich mit Fluchtursachen und Geflüchteten beschäftigten. Auch in Zukunft werden Arbeitsgruppen zu diesem Thema angeboten, und ggf. auch eine Veranstaltung dazu integriert. Dies alles auf der Grundlage des zwischen SLE und GIZ zu vereinbarenden Vertrages.

3. SLE Forschung und Beratung

3.1. Bei der Neubeantragung von Forschungsmitteln/Besetzung von Stellenpositionen/Neudefinition von Themen wird das Thema Geflüchtete/Krisen/Krisenbearbeitung und -Prävention/Fluchtursachenbekämpfung mit besonderem Interesse verfolgt und in das Portfolio einbezogen, wo möglich und passend.
3.2. Studentinnen und Studenten aus dem Kreis der Geflüchteten werden nach allen Möglichkeiten darin unterstützt, ihre womöglich begonnenen Master- oder Doktorarbeiten fortzuführen. Es wird versucht, ihnen eine institutionelle Anbindung zu verschaffen und ihnen auch darüber hinaus mit Rat und Beratung zur Seite zu stehen.
3.3. In der Beratung wird versucht, das Thema Geflüchtete mit all seinen Aspekten auf der Agenda zu haben und anzusprechen. Zum Beispiel wird sich das SLE voraussichtlich in Mali im Rahmen einer Hochschulberatung engagieren. Dort wird versucht, das Thema Flucht und Fluchtursachen systematisch in die Trainings und das Curriculum zu integrieren.
3.4. Im Rahmen bestehender Forschungsprojekte wie z.B. dem Forschungs- und Beratungsprojekt "Ländlicher Strukturwandel in Subsahara Afrika" wird auch der Dimension Flucht und Fluchtursachenbekämpfung Aufmerksamkeit geschenkt. Es erfolgt ein Mainstreaming des Themas in die Datenerhebung, Analysen und Entwicklung der Empfehlungen.
3.5. Es wird versucht, SLE-Auslandsprojekte zu akquirieren, die das Thema Flucht und Migration beinhalten oder explizit bearbeiten. Denkbar wären hier APs im Bereich der Fluchtursachenbekämpfung, Implementierung landwirtschaftlicher Strategien von Kleinbauern, die vom Klimawandel betroffen sind, Aufbau von Saatgutlagern/bänken, Ernährungssicherung, etc. Zudem ist ein Auslandsprojekt denkbar, das sich mit „Strategien“ für Camps Geflüchteter auseinandersetzt: Aufbau, Versorgung (Wasser /Nahrungsmittel), Strukturierung, Einbezug der Geflüchteten in die Aufgaben im Camp, etc.. In Bezug auf bewaffnete Konflikte könnten Maßnahmen zur Prävention von Konflikten o.ä. erarbeitet werden.

II Private Initiativen

Ideensammlung der Teilnehmer/innen des 54. Lehrgangs zur besseren Integration und Unterstützung Geflüchteter - mit den Teilnehmer/innen des 55. Jahrgangs wird auf dieser Grundlage weiter an eigenen studentischen Initiativen gearbeitet.

Informelle Veranstaltung

Informelle Veranstaltungen können einem ersten Kennenlernen dienen und den Kontakt untereinander auf- und ausbauen. Denkbar sind gemeinsame Kochabende (mit deutscher/syrischer/marokkanischer Küche) in der Villa und im Garten, ein musikalischer Austausch, Film- oder Länderabende. Die Möglichkeit der Nutzung von Räumen ist jeweils mit der SLE-Leitung im Vorfeld abzusprechen.

Infoabende

Infoabende sollen über den informellen Austausch hinaus möglicherweise auch externe Interessierte ansprechen und vorrangig der gemeinsamen Diskussion und dem Austausch zu vorgegebenen Themen (bspw. aktuelle Situation in Syrien) mit Geflüchteten dienen. In einer anderen Form des Infoabends wäre als Einstieg denkbar, dass SLE-Mitarbeiter/innen und Teilnehmer/innen von ihrem persönlichen Engagement im Bereich Flucht und Geflüchtete erzählen und auf diese Weise Kontakte zu interessierten geflüchteten Menschen aufgenommen und vernetzt werden können.

Buddy- und Sprachprogramm:

Der Aufbau eines Buddy-Programms zielt auf eine Unterstützung in der Integration Geflüchteter durch SLE-Teilnehmer/innen:
Einerseits durch den persönlichen und intensiven Kontakt zwischen den Buddies, andererseits durch die praktische Hilfe bei Behördengängen, Arztbesuchen, Übersetzungen, und weiteren alltäglichen Herausforderungen. Hier ist eine Verknüpfung mit dem Buddy-Programm der Welcome Initiative der LeWi sinnvoll.

Gemeinsame Aktion/Engagement in Unterkünften/Ehrenamt:

In Gemeinschafts- sowie Notunterkünften sind zurzeit viele Ehrenamtliche tätig und helfen bei der Essensausgabe, in der Kleiderkammer. Ebenfalls ehrenamtlich werden Geflüchteten Informationen (Stadtplänen, Adressen und Öffnungszeiten der wichtigsten Ämter etc.) zur Verfügung gestellt. Teilweise werden auch Ausflüge gemacht und die Kinderbetreuung übernommen. SLE-Teilnehmer/innen sowie -Mitarbeiter/innen könnten zum Beispiel gemeinsam Schichten in Notunterkünften übernehmen (z.B. in Kleingruppen, jeweils 1. MO/DI/MI... im Monat etc.).

Benefiz-Veranstaltungen

Das SLE könnte eine solche Veranstaltung ausrichten. Es gibt unterschiedliche Ziele, die mit einer Veranstaltung verfolgt werden könnten. Beispielsweise könnte eine Soliparty ausgerichtet werden, um Geld für gemeinsame Aktionen zu sammeln. Eine Veranstaltung könnte aber auch genutzt werden, verschiedene Menschen in Kontakt zu bringen, um eventuell gemeinsame Aktivitäten, wie Sprachen lernen oder anderweitige gemeinsame Aktivitäten (z.B. Ausflüge), anzubieten.

Wohnungsbörse organisieren

Zimmerangebote, die das SLE (MA sowie TN) erreichen, können vorrangig je nach Kontakt und Bedarf an geflüchtete Menschen weitergeleitet werden.


1 Die nachfolgenden angestrebten Aktivitäten basieren auf einer Ideensammlung der Teilnehmer/innen aus dem SLE Postgraduiertenprogramm und einer Diskussion im Kreise der SLE-Mitarbeiter/innen.

2 Das SLE hat 2016 ein Briefing Paper zum Thema publiziert: Diana Ayeh, Christine Plastrotmann und Sabrina Ziesemer: Verantwortung ohne Grenzen? Deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Kontext von Flucht und Vertreibung. Briefing Paper des SLE 1/2016, Berlin.



 

 

 

 

 

 

 

 

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