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Wasser und die Corona-Krise

Kolumne von Waltina Scheumann, assoziierte Wissenschaftlerin des SLE der Humboldt-Universität zu Berlin und des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik:

 

März 2020: Der Weltwasserreport 2020 ist dem Thema Wasser und Klima gewidmet (https://en.unesco.org/themes/water-security/wwap/wwdr/2020). Danach haben weltweit 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und 4,2 Milliarden Menschen, also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung, haben gar keine oder keine hygienisch einwandfrei funktionierenden Sanitäranlagen. Wenn es noch eines Arguments bedurft hätte, um diesen Zustand zu beenden, dann ist es die gegenwärtige Corona-Krise.

Neben Abstandhalten (dem Social Distancing) sind Händewaschen und Hygiene das Gebot der Stunde, da dies eine Verbreitung des Corona Virus verlangsamen, wenn auch nicht stoppen kann. Was aber, wenn Milliarden von Menschen kein sauberes Wasser haben und zudem Gesundheitssysteme fehlen bzw. überlastet sind?

Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser übertragen werden, gehören zu den drängendsten Gesundheitsproblemen der Welt. Cholera und andere Durchfallerkrankungen zum Beispiel sind für rund 1,8 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Die Armen der Entwicklungsländer, insbesondere Kinder, sind davon am stärksten betroffen. Solche Krankheiten halten Millionen von Menschen in einem Kreislauf von Armut und schlechter Gesundheit gefangen und machen sie oft arbeits- oder schulunfähig. Dies wäre zu vermeiden, wenn sauberes Wasser zur Verfügung stehen würde.

Bei einem Forschungsaufenthalt in Äthiopien, im Awash Flussgebiet, im Jahr 2018 besuchten wir Dörfer und interviewten Gemeindevertreter. Die meisten Gemeinden nutzen Wasser aus dem Fluss, in den ungeklärte Abwässer münden. Wir wagten es nicht, die uns angebotenen Getränke zu trinken - aus Angst, krank zu werden. Die Toiletten und die Zimmer der Pension, in der wir übernachten wollten, waren unsauber und unhygienisch. Es gab kein fließendes Wasser, sodass auch an Putzen nicht zu denken war. Wir entschieden uns zurückzufahren und in Addis Abeba in einem Hotel abzusteigen, das sauberes Wasser und hygienische Sanitäranlagen versprach. Diese Alternative hatten wir, nicht aber die Leute vor Ort. Verschmutztes Wasser und mangelnde sanitäre Grundversorgung sind für sie Normalität.

In Deutschland: Egal wann, Wasser ist verfügbar und von guter Qualität, dank der kommunalen Wasserversorger! Die Strom- und Wasserversorgung und das Internet funktionieren, so dass wir telefonieren, skypen und Hände und Wäsche waschen können. Was wäre, wenn eine solche Grundversorgung jetzt nicht gewährleistet werden würde und auch nicht andere wichtige Dienstleistungen (Gesundheitsdienste, Post, Müllentsorgung)?

Zurzeit liegen die Epizentren der Corona-Krise in der EU und den USA. Wie werden die Sub-Sahara Länder (SSA) reagieren bzw. reagieren können? Während sich das Corona-Virus weltweit rapide ausbreitet, melden afrikanische Länder relativ niedrige Infektionszahlen. Und das, obwohl viele der Staaten enge Kontakte zu China pflegen, wo das Virus ausgebrochen war. Die Johns-Hopkins-Universität listet inzwischen 4 885 registrierte Fälle: Südafrika hat über 1 200, gefolgt von Burkina Faso, der Elfenbeinküste, Kamerun, Senegal und Ghana. In Uganda, Togo, Sambia, Äthiopien, Mali, Niger, Namibia und Eswatini liegt die Zahl der offiziell registrierten Infizierten zurzeit noch unter 100. 

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation müssen sich die Staaten darauf einstellen, dass die im weltweiten Vergleich sehr niedrigen Infektionszahlen bald rapide steigen werden. Allerdings könne der Kontinent bei der Bekämpfung auf Erfahrungen im Umgang mit Epidemien zurückgreifen. Kenia und Nigeria etwa setzen auf Einreisestopps und auch auf ein Verbot von Versammlungen, auch wenn religiöse Zusammenkünfte mancherorts weiterhin erlaubt sind. In Sierra Leona gibt es bislang keine einzige (offiziell registrierte) Infektion – trotzdem wurden Versammlungen von mehr als 100 Menschen untersagt, ausgenommen davon sind Märkte. Ausgangsperren wie in Indien und Südafrika bedeuten aber, dass sich die Menschen ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können. Home Office ist da keine Alternative: “Social distancing is a privilege few can afford”, so Karsten Noko in Al Jazeera am 22. März 2020.

Vieles spricht dafür, dass sich Covid-19 massiv ausbreiten wird, vor allem in Armensiedlungen. Dort haben viele Haushalte kein fließendes Wasser. Viele ärmere Menschen leben dicht gedrängt auf kleinem Raum, was die Ausbreitung wesentlich beschleunigen wird und eine Selbstisolierung von Betroffenen praktisch unmöglich macht. Die Zahl der infizierten Personen wird exponentiell ansteigen, auch weil die einfachsten Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden können.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat in der Vergangenheit der Wasser- und Sanitärversorgung einen großen Stellenwert eingeräumt. Die gegenwärtige Krise zeigt, dass es daran festhalten sollte!

 

 

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation müssen sich die Staaten darauf einstellen, dass die im weltweiten Vergleich sehr niedrigen Infektionszahlen bald rapide steigen werden. Allerdings könne der Kontinent bei der Bekämpfung auf Erfahrungen im Umgang mit Epidemien zurückgreifen. Kenia und Nigeria etwa setzen auf Einreisestopps und auch auf ein Verbot von Versammlungen, auch wenn religiöse Zusammenkünfte mancherorts weiterhin erlaubt sind. In Sierra Leona gibt es bislang keine einzige (offiziell registrierte) Infektion – trotzdem wurden Versammlungen von mehr als 100 Menschen untersagt, ausgenommen davon sind Märkte. Ausgangsperren wie in Indien und Südafrika bedeuten aber, dass sich die Menschen ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können. Home Office ist da keine Alternative: “Social distancing is a privilege few can afford”, so Karsten Noko in Al Jazeera am 22. März 2020.

Vieles spricht dafür, dass sich Covid-19 massiv ausbreiten wird, vor allem in Armensiedlungen. Dort haben viele Haushalte kein fließendes Wasser. Viele ärmere Menschen leben dicht gedrängt auf kleinem Raum, was die Ausbreitung wesentlich beschleunigen wird und eine Selbstisolierung von Betroffenen praktisch unmöglich macht. Die Zahl der infizierten Personen wird exponentiell ansteigen, auch weil die einfachsten Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden können.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat in der Vergangenheit der Wasser- und Sanitärversorgung einen großen Stellenwert eingeräumt. Die gegenwärtige Krise zeigt, dass es daran festhalten sollte!

 

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