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Tee Plantagen Rwanda

 ©SLE Tee Plantagen in Rwanda.

(Arbeits)Erlebnisse des Team RUganda im Land der tausend Hügel

Nach einer wohlverdienten Woche abenteuerlichen und erholsamen Urlaubs hat sich das Team RUganda nun wieder motiviert zurück in Uganda, in Jinja, vereint. Der letzte Monat in Rwanda ist wie im Flug vergangen und wir haben uns in Kigali sehr zu Hause gefühlt. Zwar wurden wir am Flughafen mit dem Start der Regenzeit und einem entsprechend heftigen Regenschauer begrüßt, aber die wunderbare Hügellandschaft Kigalis, das verrückte Mischmasch aus Pflanzen (Nadelbäume neben Palmen), die farbenfrohen und knalligen Muster der Kleider (Igitenge-Stil) und das Grün der Teeplantagen haben auch die trübsten Regenstunden überleuchtet:

Rwanda ist klein und von der Fläche nicht einmal so groß wie Brandenburg. Es wird auch das „Land der tausend Hügel“ genannt, auf welchen vor allem Tee und Kaffee angebaut werden, den wir auch in vollen Zügen genießen konnten – ohne Kaffee läuft im Team mittlerweile gar nichts mehr! Neben den tausend Hügeln haben wir auch viele tolle Seen und den Virunga National Park besucht. Dort haben wir den Vulkan Bisoke mit einer Höhe von 3711 mNN erklommen. Glücklicherweise wurde kein Teammitglied auf dem anspruchsvollen Weg zurückgelassen und wir haben es trotz der dünnen Luft und dem Stolperweg hinauf und auch wieder hinunter geschafft. Dies ist zum Teil auch den übermotivierten einheimischen Guides zu verdanken, die uns quasi an der Hand hinter sich her nach unten schleiften. Leider haben wir die dort lebenden Berggorillas verpasst, konnten aber immerhin ihre Spuren entdecken. Da die Rwander*innen ihre Gorillas ganz besonders lieben, gibt es im September den Feiertag Kwita Izina, an dem die neugeborenen Gorillababys, 25 in diesem Jahr, von nationalen und internationalen Promis getauft werden. 



Wirtschaftlich gilt Rwanda und insbesondere Kigali trotz der jüngeren Geschichte des Genozids Anfang der Neunziger Jahre als afrikanische Erfolgsgeschichte. Kigali ist überraschend geordnet und un-chaotisch für eine afrikanische Hauptstadt. So mussten wir uns anfangs dreimal versichern, dass die Autos tatsächlich für uns am Zebrastreifen halten und fanden das Moto-fahren durch die Stadt mit obligatorischem Helm (auch wenn er immer drei Nummern zu groß war) und geregeltem Verkehr schon eher unaufregend im Gegensatz zu Uganda/Kampala. Kigali ist zudem wohl die sicherste und sauberste Stadt Afrikas: Plastiktüten sind im ganzen Land verboten und an jedem letzten Samstag im Monat ist „Großreinemachen“ angesagt. Diese Aktion heißt Umuganda, was auf Kinyarwanda zusammenhalten und sich gegenseitig helfen bedeutet. Dann sind alle Geschäfte im Land geschlossen und alle sind unterwegs, um Müll einzusammeln, Straßen zu kehren und zu putzen – sogar jede Kaffeemaschine der Cafés wird blitzblank geschrubbt.

 

Doch nun genug von der Schwärmerei, unseren Freizeitaktivitäten und den Fun Facts - wir waren natürlich auch in Kigali super fleißig und haben trotz anfänglicher bürokratischer Hürden die Ruhe und den Willen nicht verloren. Didier, unser Counterpart in Kigali, half uns sehr dabei, in die nationalen Gepflogenheiten einzusteigen, die Courtesy Calls gut zu meistern und letztendlich doch noch unsere offizielle Forschungsgenehmigung zu erhalten. Dann ging es in hohem Tempo los mit der Datensammlung, den Interviews und Fokusgruppen. Unsere Interviewpartner in Rwanda waren alles sehr interessante Leute. Wir wurden von einem sehr engagierten jungen Kerl, der bereits viele nationale Preise für Start-ups gewonnen hat, durch sein kleines Süßkartoffel-Brot-Unternehmen geführt. Das Brot würden wir am liebsten nach Hause importieren! Außerdem durften wir viele beeindruckende und selbstbewusste junge Frauen treffen und konnten erfahren, wie vorbildlich Rwanda Gleichberechtigung fördert. Denn das Land steht weltweit auf Platz sechs (laut Global Gender Gap Index 2018), wenn es um Gender Parity geht. Zum Vergleich: Deutschland auf Platz 14. Ein Highlight für uns war außerdem, den rwandischen Bill Gates, Sina Gerard, zu treffen. Sein Unternehmen Urwibutso Enterprises hat ein vielseitiges Sortiment, doch besonders erwähnenswert ist das Chili-Öl Akabanga („small secret“), das auf jedem Restauranttisch in Rwanda zu finden ist und Mr. Sina Gerard wie seine Visitenkarte verteilt. Der Philanthrop hat nicht nur ein Unternehmen, mit dem er zahlreiche Arbeitsplätze in der Region schafft, sondern hat zudem die Sina-Gerard College Foundation aufgebaut, wo Student*innen mit niedrigem Einkommen in Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung ausgebildet werden. Für unsere Studie also ein bedeutender Interviewpartner. Die Verständigung mit den Rwandern war leider nicht immer so einfach wie gedacht. Im Jahr 2008 wurde quasi über Nacht die Unterrichtssprache des Landes von Französisch auf Englisch umgestellt. Viele sprechen jedoch nur Französisch, Kinyarwanda[1] oder sehr gebrochenes Englisch. Bei Verständigungsproblemen war uns glücklicherweise Didier oft eine große Hilfe. Außerdem bekamen einige des Teams die Möglichkeit, ihre Französischkenntnisse erfolgreich unter Beweis zu stellen. Eine neue Erfahrung für uns alle war dann, dass unser Stakeholder Dialogue Workshop quasi trilingual durchgeführt werden musste. Flexibilität und last-minute Entscheidungen hatten wir aber im Workshop in Uganda bereits erprobt, da dort am Tag des Workshops selbst noch immer nicht klar war, wie viele Teilnehmende auftauchen würden. Letztendlich waren beide Workshops aber in Teilnehmerzahl und Ergebnis ein großer Erfolg und die partizipativen, interaktiven und kreativen Methoden wurden in Rwanda wie schon in Uganda sehr positiv von den Teilnehmenden aufgenommen.

Wir werden die herzlichen Einheimischen, die leckeren Brochettes vom Grill, das gute Virunga Bier und die tolle Landschaft Rwandas sehr vermissen! Wieder zurück in Uganda, haben wir zwar schon wieder genug von einer Fahrt durch den verrückten Verkehr Kampalas, aber können uns auch wieder über die Boda-Boda Fahrer und ihr Transportgut (Ziegen, Särge, Zelte, you name it) amüsieren und leckere Rolexes (nicht die Uhren, sondern „rolled eggs“) essen. Nun startet unser letzter Monat im Auslandsprojekt hier in Jinja, an der Quelle des Nils, und wir machen uns ans Schreiben unserer Studie („What is in it for me? Perspectives on integrating the private sector in Agricultural Technical Vocational Education and Training (ATVET) in Rwanda and Uganda“).

Den ersten Erfahrungsbericht aus dem AP Uganda/Rwanda gibt es hier zu lesen.

Seid gespannt!

MURAKOSE! WEBALE!

Franziska Ulrich



[1] Hier doch noch ein Fun Fakt über die Sprache: Im Kinyarwanda gibt es weniger als 20 Eigenschaftswörter. Alle übrigen müssen durch Umschreibungen ersetzt werden. So sagt man zum Beispiel für „grün“: kirasa n´icyatsi kibisi, was bedeutet: „Es sieht dem jungen Gras ähnlich.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hügellandschaft Rwanda

©SLE Hügellandschaft Rwanda.

 CARL Group   Süßkartoffel Unternehmer in Kigali

©SLE Süßkartoffel Unternehmer in Kigali.

Workshop Rwanda   bei der Arbeit
©SLE Workshop Rwanda.

Workshop Rwanda   bei der Arbeit II
©SLE Workshop Rwanda.

Frauen bei der Arbeit   Source of the Nile Jinja

©SLE Frauen bei der Arbeit, Source of the Nile, Jinja.

Results Workshop Uganda

©SLE Results Workshop Uganda.

Büro Team RUganda in Jinja

©SLE Büroteam RUganda, Jinja.

Führung Gewächshaus ATVET School Musanze

©SLE Führung durchs Gewächshaus ATVET School Musanze.

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